Häufig gestellte Fragen zum Factoring

Forderungsmanagement, Inkasso

Inhaltsverzeichnis:

Können Forderungen verkauft werden?

Ja, der Verkauf einer offenen Forderung ist durch eine Abtretung möglich. Eine Art des Verkaufs ist das Factoring. Im sogenannten Factoring verkauft der Forderungsinhaber (Gläubiger) seine Forderung an den Factor (Factoring Unternehmen). Besonders ist, dass bereits vor Forderungsentstehung der Verkauf verabredet wird.

Was versteht man unter dem Begriff Forderungen?

Eine Forderung ist ein nachdrücklich zum Ausdruck gebrachter Anspruch. Ein Anspruch besteht darin, dass ein anderer etwas tun oder unterlassen soll.

Was versteht man unter einer Abtretung und wo ist sie geregelt?

Eine Abtretung (auch Zession genannt) liegt dann vor, wenn ein Gläubiger (Zedent) per Vertrag eine offene Forderung an eine andere Person (Zessionar) überträgt. Das heißt, der Zessionar ist neuer Eigentümer der offenen Forderung und darf diese beim jeweiligen Schuldner einfordern. Gesetzlich geregelt wird die Abtretung in §§398 ff. BGB.

Was ist ein Factoring Beispiel?

Betrieb A beauftragt Unternehmen B, eine Leistung zu erbringen. Unternehmen B fordert für diese Leistung eine Summe von 150.000 EUR. Um die eigene Liquidität zu bewahren und die Bilanz zu erhöhen, verkauft Unternehmen B die offene Forderung an das Factoring Unternehmen Y. Das Factoring Unternehmen Y bezahlt die 150.000 EUR an das Unternehmen B. Diese Summe kann Factoring Unternehmen Y nun von dem Betrieb A einfordern.

Welche Arten von Factoring gibt es?

Factoring ist nicht gleich Factoring. In diesem Beitrag unterscheiden wir für Sie folgende Factoringarten:
– Full Service Factoring
– Offenes und Stilles Factoring
– Echtes und Unechtes Factoring
– Ausschnittsfactoring
– Einzelfactoring
– Fälligkeitsfactoring
– Export- und Importfactoring
– Smart Factoring
– Inhouse Factoring
– VOB Factoring
– B2C Factoring

Als Standard-Factoring bekannt ist das sogenannte Full Service Factoring und wird in der Praxis am häufigsten angewandt. Es hat eine Finanzierungsfunktion und erreicht somit eine schnelle Finanzierung für eine bessere Liquidität. Das Full Service Factoring bietet eine Risikoabsicherung für den Fall eines Forderungsausfalls (Delkrederefunktion) und entlastet beim Debitorenmanagement und hat somit auch eine Dienstleistungsfunktion.

Alle Factoringarten, außer dem Reverse Factoring, können als Offenes oder Stilles Factoring angeboten werden.
Soll ihr Schuldner nichts vom Forderungsverkauf erfahren, bietet sich Stilles Factoring an. Dabei überweist der Kunde auf ein Konto des Verkäufers (Gläubiger). Dieses Konto wird bereits vorher vom Gläubiger an das Factoring Unternehmen abgetreten oder verpfändet. Diese Art des Factorings ist eher unüblich und wird nur Unternehmen von gewisser Größe und Bonität angeboten.
Beim Offenen Factoring wird bereits auf der Rechnung hingewiesen, dass die Rechnung an einen Factor (Factoring Unternehmen) abgetreten wurde. Die Überweisung des Kunden (Schuldners) erfolgt dabei direkt auf das Konto des Factoring Unternehmen. Diese Art des Factorings ist in Deutschland sehr verbreitet.

Anhand der Übernahme des Ausfallrisikos kann man Factoring in Echtes und Unechtes Factoring einteilen. Beim Echten Factoring wird das Risiko des Ausfallrisikos übernommen, während diese Delkrederefunktion beim Unechten Factoring nicht gegeben ist. Praktiziert wird fast ausschließlich Echtes Factoring.

Sollen nicht alle Ihre Forderungen an den Factor verkauft werden, ist das Ausschnittsfactoring eine Möglichkeit. Bei dieser Option verkaufen Sie nur die offenen Forderungen, welche Sie dafür geeignet halten. Ihnen wird dennoch die Finanzierung-, Delkredere- und Dienstleistungsfunktion angeboten. Mit dem Ausschnittsfactoring kann die Liquidität gezielt gesteuert werden.
Eine ähnliche, aber eher seltene Factoringart mit vergleichsweise hohen Kosten ist das Einzelfactoring. Dabei werden nur vereinzelt Forderungen zum Verkauf ausgewählt, meist mit hohen Beträgen und langen Zahlungszielen. Die Bonität der säumigen Kunden wird vom Factor jedes Mal erneut geprüft.

Beim Fälligkeitsfactoring verzichten Sie auf die Delkredere- und Finanzierungsfunktion. Ihnen wird also lediglich die Dienstleistungsfunktion angeboten. Die Forderung wird somit nicht an den Factor verkauft, sondern er überwacht nur die Zahlungseingänge und leitet bei Zahlung den Betrag an den Gläubiger (Forderungsinhaber) weiter.

Für Unternehmen im internationalen Geschäftsverkehr bietet sich das Export- bzw. Importfactoring mit dem grenzüberschreitenden Service an. Um Exportfactoring handelt es sich dann, wenn ein Unternehmen eine offene Forderung aus einem Exportgeschäft an einen Factor verkauft. Hat ein ausländisches Unternehmen eine offene Forderung nach Deutschland und verkauft die offene Forderung an ein deutsches Factoring Unternehmen, spricht man von Importfactoring.

Pauschalgebühren für den Verkauf von Forderungen gibt es nur beim Smart Factoring. Dabei orientiert sich die Gebühr nicht an dem Umsatz des Verkäufers, sondern an der Finanzierungslinie. Steigende Umsätze bedeutet somit nicht automatisch höhere Kosten, sondern man kann mit festen Finanzierungskosten rechnen.

Für Unternehmen mit einer eigenen Debitorenbuchhaltung / Forderungsmanagement eignet sich das Inhouse Factoring, da in diesem Fall vom Factor nur die Finanzierungs- und Delkrederefunktion übernommen werden. Es ist eine preisgünstigere Variante, da der Verkäufer weiterhin selbst mit den Kunden kommuniziert und ggf. weitere Maßnahmen ausbringt.

Für die Baubranche gibt es das sogenannte VOB Factoring. VOB steht für Vergabe- und Vertragsordnung für die Bauleistung und enthält Einschränkungen für das Factoring (beispielsweise Rechnungskürzungen), weshalb diese Variante nicht von jedem Factoring Unternehmen angeboten wird.

Eine Abwandlung des echten Full Service Factoring ist das B2C Factoring (Business-to-Consumer Factoring). Hierbei bestehen offene Forderungen gegen Privatpersonen. Da bei Geschäften mit Privatpersonen ein höheres Ausfallrisiko besteht, ist diese Variante teurer als Factoring mit Unternehmen.

Was ist der Factor?

Der Factor ist Teil des Factorings. Der Factor ist dabei meist das Factoring Unternehmen, dessen Hauptaufgabe es ist, offene Forderungen anzukaufen. Dies soll dazu führen, dass die Liquidität und die Bilanz seiner Kunden erhöht wird.

Welche Funktionen übernimmt der Factor?

Ein Factor ist der Käufer einer Forderung im Prozess des Factorings. Beim echten Factoring übernimmt der Factor das Ausfallrisiko, im Full Service Factoring das Forderungsmanagement. Im Allgemeinen dient das Factoring zur Zwischenfinanzierung.

Welche Art der Finanzierung ist Factoring?

Factoring ist eine bankenunabhängige Finanzierung. Wird die Forderung vor Fälligkeit an einen Factor (Factoring-Gesellschaft) verkauft, steigt die Liquidität des Verkäufers (Kreditor) direkt an.

Ist Factoring Inkasso?

Grundsätzlich ist erst einmal klarzustellen, dass Factoring und Inkasso nicht ein und dieselbe Dienstleistung sind. Beim Factoring werden offene Forderungen an ein Factoring Unternehmen verkauft. Das Factoring Unternehmen wird dabei Eigentümer der Forderung. Bei einer Inkassobearbeitung beauftragt der Gläubiger (Forderungsinhaber) ein Inkassounternehmen mit der Beitreibung von offenen Forderungen. Dabei übernimmt der Gläubiger das Kostenrisiko und bleibt Eigentümer der Forderung.

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